|
|
|
|
Die Idee hinter der Plastination„Das Verfahren der Plastination habe ich 1977 am Anatomischen Institut der Universität Heidelberg erfunden, in den Jahren 1977-82 patentiert und seither kontinuierlich weiterentwickelt. Alles begann recht unspektakulär. Als ich als Anatomieassistent zum ersten Mal in Kunststoffblöcke eingebettete Präparate sah, fragte ich mich, warum der Kunststoff wohl um das Präparat als Block herumgegossen wurde, statt im Präparat zu sein und es von innen heraus zu stabilisieren. Die Frage ließ mich nicht mehr los. Bei meinem ersten Versuch, ein mit Azeton getränktes Nierenstück mit Kunststoff zu imprägnieren, war es nach einer Stunde kohlrabenschwarz und geschrumpft. Die meisten hätten wohl das Versuchsergebnis als untauglich verworfen. Nur weil ich von meinem physikalisch-chemischen Basiswissen her wusste, dass die Schwarzfärbung auf den Lichtbrechungsindex des Plexiglases und die Schrumpfung auf zu schnelles Imprägnieren zurückzuführen waren, wiederholte ich eine Woche später das Experiment mit flüssigem Silikonkautschuk. Nach der Härtung im Wärmeofen hatte ich das erste vorzeigbare Plastinat in der Hand. Das war am 10. Januar 1977 – dem Tag, an dem ich mich entschied, die Plastination in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen.“
|
|
Gunther von Hagens und sein Plastinationsteam bei der Vorbereitung zur Härtung des Megaplastinats: Scheuendes Pferd mit Reiter, 2000.
|
|
|
|
|
|
Gunther von Hagens - Beruflicher Werdegang
| 10.1.45 | Geburt in Alt-Skalden/Posen
| | 1951-61 | Grundschule und Polytechnische Mittelschule in Gera und Greiz | | 1961-62 | Fahrstuhlführer, Telefonist und Postbote am Kreiskrankenhaus Greiz | | 1962-64 | Hilfspfleger am Kreiskrankenhaus Greiz (Thüringen) | | 1961-63 | Abendoberschule mit Abitur in Greiz (Thüringen) | | 1964-65 | Apothekenhilfe Elster-Apotheke in Greiz (Thüringen) | | 1962-66 | Privatstudien an der Medizinischen Akademie Erfurt auf dem Gebiet der Testpsychologie und Hypnose | | 1965–68 | Medizinstudium an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, DDR | | 1968–70 | Politische Inhaftierung nach misslungener “Republikflucht” in Gera und Cottbus Freikauf als politischer Häftling durch die Bundesregierung im August 1970 | | 1970–73 | Fortsetzung des Medizinstudiums und Staatsexamen an der Universität Lübeck | | 1973–74 | Medizinalassistent am Krankenhaus auf der Nordseeinsel Helgoland | | 1974–75 | Assistenzarzt an der Abteilung für Anästhesie und Notfallmedizin der Universität Heidelberg | | 1975 | Promotion zum Dr. med. an der Universität Heidelberg | | 1975–77 | Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Anatomischen Institut der Universität Heidelberg | | 1977–78 | Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Pathologischen Institut der Universität Heidelberg | | 1978–95 | Anatom am Anatomischen Institut der Universität Heidelberg | | 1977–95 | Erfindung und Entwicklung der Plastination | | 1979–94 | Organisation und Durchführung von Plastinationskursen in deutscher und englischer Sprache | | 1980–95 | Zahlreiche Vorträge zur Plastinationstechnik in über 25 Ländern | | 1984–96 | Teilnahme als Hauptvortragender an acht internationalen Plastinationskonferenzen in den USA, Deutschland, Kanada, Österreich und Australien | | 1994 | Gründung des Instituts für Plastination, Wissenschaftlicher Direktor | | 1996-2004 | Gastprofessor an der Medizinischen Universität Dalian, VR China | | 1996 | Gründung eines Plastinationszentrums an der Staatlichen Akademie in Bischkek, Kirgisien und der Medizinischen Universität in Dalian, VR China; Wissenschaftlicher Direktor | | 1999 | Ernennung zum Ehrenprofessor der Staatlichen Medizinischen Akademie in Bishkek, Kirgisien | | 2001 | Gründung der “Von Hagens Plastination (Dalian) Co., Ltd” in Dalian, VR China, zurzeit (2006) 230 Mitarbeiter | | 2003 | Verleihung der Ehrendoktorwürde der Cosmopolitan University, Jefferson City Missouri | | Seit 2004 | Gastprofessor an der Universität New York, Zahnmedizinische Fakultät (New York University, College of Dentistry – NYUCD) | | 2006 | Gründung der "Gubener Plastinate GmbH" in Guben |
Gunther von Hagens ist Mitglied folgender Fachorganisationen: Deutsche Anatomische Gesellschaft Internationale Gesellschaft für Plastination (Ehrenmitglied) Anatomische Gesellschaft Rumäniens (Ehrenmitglied) American Association of Anatomists
Wichtige wissenschaftliche Publikationen: Von Hagens, G (1977) Patente: Deutsches Patent 27 10 147 (1978), Britisches Patent 22 082 041 (1978), Belgisches Patent 863.949 (1978), Südafrikanisches Patent 78/1330 (1980), Österreichisches Patent 360 272 (1980), Britisches Patent 1558 802 (1984), USA Patente 4,205,059 (1980), 4,244,992 (1981), 4,278,701 (1981), 4,320,157 (1982)
von Hagens G (1982) Verfahren zur verbesserten Ausnutzung von Kunststoffen bei der Konservierung biologischer Präparate. Offenlegungsschrift DE 32 32 756 AI. Deutsches Patentamt München
von Hagens G (1985/86) Heidelberger Plastinationshefter. Anatomisches Institut I, Universität Heidelberg, 69120 Heidelberg
von Hagens G, Tiedemann K., Kriz W (1987) The Current Potential of Plastination. Anatomy and Embryology. 175: 411-421
von Hagens G (1979) Impregnation of Soft Biological Specimens with Thermosetting Resins and Elastomers. Anatomical Record. 194: 247-255
von Hagens G, Whalley A, Maschke R, Kriz W (1990) Schnittanatomie des menschlichen Gehirns. Ein fotographischer Atlas plastinierter Serienschnitte. Darmstadt: Steinkopff Verlag
von Hagens G, Romrell LJ, Ross MH, Tiedemann K (1991) The Visible Human Body. Ein fotographischer Atlas plastinierter Scheiben des menschlichen Körpers. Philadelphia, London: Lea & Febiger
Weiterführende Publikationen von Hagens, G, Whalley, A (2004) KÖRPERWELTEN. Die Faszination des Echten (14. Auflage), Heidelberg: Institut für Plastination
Wetz, FJ /Tag, B. (Hrsg.). (2001) Schöne Neue Körperwelten – Der Streit um die Ausstellung, Stuttgart: KlettCotta Verlag; darin insbesondere der Aufsatz von Gunther
von Hagens: Gruselleichen, Gestaltplastinate und Bestattungszwang, S. 40–84
Wetz, FJ (2003) Tote hoch zu Ross. Vom Triumph der Statue zum Verbot des Plastinats. Heidelberg: Arts & Sciences Verlagsgesellschaft
Wetz, FJ (1998) Die Würde der Menschen ist antastbar: eine Provokation, Stuttgart: Klett-Cotta Verlag
Weitere Informationen über Gunther von Hagens finden Sie auf den Internetseiten: http://www.koerperwelten.de/de/gunther_von_hagens/leben.html
|
|
|
|