Presseinformation & Pressemeldungen


Pressebüro
Susanne Hammel
E-mail: s.hammel(at)plastination.com
Tel: +49 6221 331160
Fax: +49 6221 331123


 14.11.06 Zwei Symbole des Kalten Krieges im  neuen Bond-Film “Casino Royale“
 7.11.06Einladung zur ERÖFFNUNG und PRESSEKONFERENZ - Das  PLASTINARIUM in Guben Der Blick hinter die Kulissen der KÖRPERWELTEN
 31.10.06

Gunther von Hagens: „Posieren mit Schädel ist keine Leichenschändung“ - Freier Eintritt ins Plastinarium in Guben für alle Bundeswehrsoldaten

18.10.06Das PLASTINARIUM - Der Blick hinter die Kulissen der KÖRPERWELTEN
27.4.06

Plastinator Gunther von Hagens zur Entscheidung der Gubener Stadtverordneten, das Rathaus an ihn zu verkaufen: Trauern ohne Sorge dank Gubener Plastinate
20.4.06Gubener Bevölkerung mit überwältigender Mehrheit für die Ansiedlung eines Plastinationsinstituts
6.12.05

Offener Brief an die Stadtverordneten der Stadtverwaltung Guben - Zur Entwicklung, den Plänen und Diskussionen um ein Plastinationsinstitut in Guben
29.11.05 Verwaltungsgerichtshof bestätigt Ausstellung KÖRPERWELTEN: keine Genehmigung erforderlich



Zwei Symbole des Kalten Krieges im  neuen Bond-Film “Casino Royale“

In diesem November begegnet Plastinator  Gunther von Hagens, einer der bekanntesten „Republikflüchtlinge“ aus der ehemaligen DDR, aus Anlass des 17. Jahrestages des Falls der Berliner Mauer der gefeiertesten Ikone des Kalten Krieges, James Bond.

Gunther von Hagens und die faszinierende Anatomieausstellung KÖRPERWELTEN haben einen Cameo-Auftritt in “Casino Royale“, dem einundzwanzigsten James-Bond-Film, für den der gleichnamige Roman von Ian Fleming von 1953 die Vorlage bildet.

Die KÖRPERWELTEN Ausstellung ist dabei Schauplatz eines typischen Kampfes zwischen Gut und Böse, nämlich zwischen Agent 007 und einem der Schurken aus dem Film. Für  Gunther von Hagens, der 1969 nach einem fehlgeschlagenen Fluchtversuch eine zweijährige Haftstrafe antreten musste, sind die James-Bond-Filme mehr als nur unterhaltsame Spionagethriller.

Während Bond im Kalten Krieg die Kommunisten bekämpfte, war er für die jüngere Generation hinter dem Eisernen Vorhang, zu der damals auch von Hagens gehörte, eine Inspiration. „Er stand für die Stärke des Einzelnen gegenüber dem Kommunismus, er war antiautoritär und außergewöhnlich, was den Filmzensoren der damaligen Zeit wohl nicht so klar war“, so von Hagens. „Die Führungsriege konnte den Hunger unserer Generation nach dem Durchbrechen von Grenzen, nach der Freiheit, die nötig ist, um wie James Bond nach Jamaika, nach Kap Canaveral, nach Fort Knox und Monte Carlo reisen zu können, nicht verstehen. Für uns verkörperte er Freiheit und Möglichkeiten.“

Auch die Technik und Zauberei der frühen Filme beeindruckten den zukünftigen Mediziner und Polymerchemiker. „Bond arbeitete mit High-Tech-Geräten - damals eine sehr ungewöhnliche Beschäftigung für die Figuren eines Films. In Goldfinger versuchte er, die radioaktive Kontaminierung der Goldreserven zu verhindern. Als jemand mit großem Interesse an Chemie und Physik wusste ich, dass anders als in der Welt des James Bond, in der solche Innovationen gefeiert wurden, das autoritäre Regime, unter dem ich lebte, Erfindungen im Keim erstickte“, berichtet er.

So unwahrscheinlich es auch klingen mag - der Filmheld mit seinem komplizierten psychologischen Dossier stärkte das Ego und prägte die Gedankenwelt einer Generation ostdeutscher Wissenschaftler. „Er arbeitete hart. Er war immer im Einsatz, lebte nur für seine Mission und nutzte alle seine Fähigkeiten, um diese Mission durchzuführen. Diejenigen von uns, die damals aus der DDR flohen, definierten sich durch ihre Arbeit in Wissenschaft und Technik, und durch ein Streben nach Erfolg um jeden Preis“, so Gunther von Hagens.

Die KÖRPERWELTEN Ausstellungen sind derzeit unter dem englischen Titel BODY WORLDS im Science Museum of Minnesota in St. Paul, dem Museum of Science in Boston in Massachusetts und in der Telus World of Science im kanadischen Vancouver zu sehen.

“Casino Royale“ läuft ab dem 23.11.2006  in deutschen Kinos.

14.11.2006/ Institut für Plastination, Heidelberg, Tel. 06221 331154,  www.bodyworlds.com

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Einladung zur ERÖFFNUNG und PRESSEKONFERENZ
Das  PLASTINARIUM in Guben - Der Blick hinter die Kulissen der KÖRPERWELTEN


Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit dem PLASTINARIUM öffnen wir erstmals unsere Werkstätten dem breiten Publikum und ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen der KÖRPERWELTEN.
Das PLASTINARIUM ist eine weltweit einzigartige Einrichtung, in der öffentlich die Herstellung anatomischer Präparate von Mensch und Tier demonstriert wird.

Hiermit laden wir Sie herzlich zur feierlichen Eröffnung des PLASTINARIUM mit anschließender Pressekonferenz am Donnerstag, den 16.11.2006, um 11 Uhr, in den Räumlichkeiten des PLASTINARIUM, Uferstraße, in Guben ein.

PROGRAMM
11.00 Uhr    Eröffnung des PLASTINARIUMs mit
- Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner
- Landrat Dieter Friese
- Prof. Dr. Franz Josef Wetz
- Dr. Angelina Whalley
- Dr. Gunther von Hagens
11.30 Uhr    Rundgang durch das PLASTINARIUM
Beginnend mit einem Abriss der Geschichte der Anatomie und der Entwicklung der Plastination, den Plastinationswerkstätten im Zentrum und dem anschliessenden Schauraum mit ausgewählten Lehrpräparaten.
12.30 Uhr    Pressekonferenz im Filmstudio

Bitte nutzen Sie dieses Akkeditierungsformular und bestätigen Sie bis zum 14.11.2006 Ihre Teilnahme per Fax an 06221-331123 oder E-Mail an info(at)plastinarium.de.

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Gunther von Hagens: „Posieren mit Schädel ist keine Leichenschändung“ - Freier Eintritt ins Plastinarium in Guben für alle Bundeswehrsoldaten

Heidelberg 31.10.2006 - Der angebliche Bundeswehrskandal um die “Totenschändungen” in Afghanistan hat sich als  inszenierter Medienskandal entpuppt, bei dem aus dem ungeschickten Umgang mit Skeletten versucht wird, allgemeine Entrüstung zu destillieren. Ein Medienskandal, weil das Problem in der Veröffentlichung der Bilder liegt, nicht aber im Posieren mit Gebeinen. Die Aufnahmen wurden privat, jedenfalls nicht für den Boulevard gemacht, und die Soldaten konnten auch nicht damit rechnen, dass die Aufnahmen eines Tages die Titelseiten der Zeitungen füllen würden. Der Soldat fotografierte zur Erinnerung. Erinnerung ist immer auch Selbstbesinnung. Aufarbeitung beim Gedankenaustausch mit Freunden. Früher geschah dies mediengeschützt vor Fotoalben zu Hause, heute mit Bekannten und Freunden im Internet. Diese bieten die Fotos jetzt auf dem Pressemarkt feil, ohne Einverständnis der Betroffenen. Das Private, Heimliche wird öffentlich und das damit verbundene Unrecht wird gar nicht  mehr wahrgenommen.

Es geht weder um Totenschändung noch um Leichenschändung. Denn Schändung heißt Entehrung. Entehrung setzt aber eine Toten-Gedenkstätte, die Absicht zur Entehrung und das entehrende Empfinden bei Betroffenen voraus. Doch die Knochen entstammten keiner Grabstätte, sie waren anonym, und die Soldaten taten nichts anderes, als was Medizinstudenten trotz moralisierendem Zeigefinger der Dozenten regelmäßig tun: Das Verlebendigen von Skeletten, wie z.B.  der Schal um den knöchernen Hals, die Zigarette zwischen den Zahnreihen, passiert regelmäßig, wo immer Skelette existieren, ob nun in der Universität, in der Ausstellung Körperwelten oder aber wie jetzt in einer afghanischen Lehmgrube. Das Posieren vermindert die Kluft zwischen den Toten und den Lebenden und lässt so die eigene Sterblichkeit erträglicher erscheinen. Das Foto verstärkt die Erleichterung. Die Soldaten begegnen ihrer existentiellen Angst, wenn sie mit dem Schädel auf der Schulter ihren eigenen Schrecken in den des anderen verwandeln. Schädelposieren als kollektiv erlebte Stressabfuhr.

Der Umgang mit der eigenen Sterblichkeit ist sehr persönlich, familienspezifisch und kulturspezifisch. Deshalb hat der Gesetzgeber hier auf Toleranz gesetzt und den „beschimpfenden Unfug“,  und die „Herabwürdigung“ des Toten zur Voraussetzung strafrechtlicher Verfolgung gemacht. Schädelposieren ist auch keine “Leichenschändung”. Weder ist der Schädel ein Leichenteil noch das Skelett eine Leiche. Darauf weist selbst das Handbuch des Bestattungsrechts hin. Diese Art sprachlicher Unschärfe behindert die Kommunikation ethischer Werte. Sonst wird bald auch das Tragen natürlicher Zweithaare, die oft von Toten stammen, zur Leichenschändung. Selbst aus Sicht der möglicherweise persönlich Betroffenen dieses Unfugs, vermutlich Angehörigen russischer Soldaten, relativiert sich dieser Unfug angesichts etablierten Umgangs mit Leichen in vergleichbaren Extremsituationen. So schieben Bulldozer der UN afrikanische Leichen in Massengräber. Solches Tun wird stets mit Hinweisen auf Seuchengefahr entschuldigt, der man bei entsprechendem finanziellem Aufwand aber auch mit Desinfektionsmitteln begegnen könnte.

Der Fall ist weder “abscheulich”, wie Bundeskanzlerin Merkel formuliert, noch zur harten Bestrafung geeignet, um ein Exempel zu statuieren, das eine heilsame Wirkung habe, wie Ex-Verteidigungsminister Struck fordert. Derartige ethische Dampfwolken ideologische Überhöhung sind mir noch gut aus der DDR-Zeit gegenwärtig, als der Einzelbauer gleich zum Staatsfeind wurde, nur weil er eben mal sein Ablieferungssoll nicht erfüllte. Suspendierung vom Dienst, statt Angebot psychologischer Betreuung. Eine gute Figur machen bei diesem aufgeblasenen Pseudoskandal wenigstens die Fachleute, die sich mit der gebotenen Abgewogenheit äußern. So der Psychotherapeut Peter Boppel, der nicht mangelndes Wertebewusstsein der Soldaten, sondern die psychischen Belastungen des Einsatzes zur Hauptursache dieser moralischen Ausrutscher der Soldaten macht, oder der Strafrechtler Merkel, der in diesen Aktionen lediglich eine „grobe Geschmacklosigkeit, die in der Regel kein kriminelles Unrecht darstelle“ sieht. Als Arzt würde ich mir statt Suspendierung vom Dienst und der geforderten scharfen Bestrafung ehe die Solidarität der Truppe im Sinne aufklärende und beratender Fürsorge wünschen.

Ein Blick in die Diskussionsforen des Internets zeigt, dass der mündige Bürger die mediale Aufregung als überzogen, wenn nicht sogar als lächerlich empfindet. Auf mich wirken die veröffentlichten Bilder eher friedensstiftend, weil mahnend. Selbst die Pistole an der Schädelschläfe kann als pazifistisches Warnsignal interpretiert werden. Die posierenden Soldaten sind Produkt einer modernen Gesellschaft. die den realen Tod versteckt hat. Dafür sorgen rigide Friedhofsgesetze wie die moderne Medizin, die das Sterben ins Krankenhaus verlagerte und universitäre Präpariersäle verschlossen hält. Wenn in einer Gesellschaft der Umgang mit dem Tod nicht mehr geübt wird, sollte es nicht verwundern, wenn Soldaten dämlich auf Skelettfunde reagieren.

Zur Entspannung der Affäre lade ich hiermit alle Bundeswehrsoldaten bis Ende des Jahres zum kostenlosen Besuch in das PLASTINARIUM in Guben ein, das am 17. November eröffnet wird. Dort kann sich jeder Besucher in Erinnerung an die eigene Sterblichkeit mit einem Skelett fotografieren lassen.

31.10.06 - Gunther von Hagens

Pressestelle
Institut für Plastination
E-Mail: hd.pressoffice(at)plastination.com

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Das PLASTINARIUM - Der Blick hinter die Kulissen der KÖRPERWELTEN

Guben, 18.10.2006. Die KÖRPERWELTEN haben seit ihrem Bestehen weltweit mehr als 20 Millionen Besucher in den Bann gezogen. Nun öffnet der Plastinator Gunther von Hagens erstmals seine Werkstätten einem breiten Publikum an seiner neuen Wirkstätte in Guben - das PLASTINARIUM. Das PLASTINARIUM wird eine weltweit einzigartige Einrichtung sein,  die öffentlich die Herstellung anatomischer Dauerpräparate von Mensch und Tier zeigt.
 
Auf etwa 2.500 qm Fläche des restaurierten Fabrikgeländes der ehemaligen Gubener Tuchmacherei erhält der Besucher umfassende Einblicke in die Prozesse der Plastination und die verschiedenen Präparationstechniken. Der Prozess umfasst die anatomische Präparation des Körpers mit anschließender Konservierung durch die Plastination, die Herstellung von Skeletten sowie die Fertigung von Gefäßgestalten. Mit modernster Technik entstehen hier Unterrichtspräparate und anatomische Großplastinate für die Ausbildung von Ärzten und medizinischen Laien.
 
Ein Abriss über die Geschichte der Anatomie und die Entwicklung der Plastination am Anfang des Rundgangs sowie ein Schauraum im Anschluss an die Werkstätten mit ausgewählten Lehrpräparaten runden den spannenden wie lehrreichen Rundgang ab. Gezeigt werden Knochenpräparate, Gefäßgestalten, Körperscheiben und Organplastinate bis hin zu Gestaltplastinaten des ganzen Körpers. Höhepunkt dieses Schauraums wird ein Ausschnitt einer KÖRPERWELTEN-Ausstellung sein, in der eine entscheidende Szene des aktuellen James Bond Films "Casino Royale" gedreht wurde. Die dort gezeigten Plastinate wurden eigens für diesen Dreh gefertigt. Plastinator Gunther von Hagens: "Das PLASTINARIUM ist das Anatomische Theater der Moderne. Es steht am Ende einer langen europäischen wissenschaftlichen wie demokratischen Tradition: Im Jahre 1543 begründete der Chirurg Andreas Vesal die Anatomie der Neuzeit. Er veröffentlichte in einem umfassenden Bildatlas wirklichkeitsgetreue Anatomie und popularisierte die Anatomie durch öffentliche Sektionen. Ebenfalls 1543 veröffentlichte der Astronom Nicolas Kopernikus  eine Abhandlung über Kosmologie, in der er bewies, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Seither ermöglicht das Planetarium den Blick in die Entstehung und den Aufbau kosmischer Welten. Das PLASTINARIUM in Guben gibt demgegenüber einen Einblick in die Entstehung und den Aufbau des Körpers und der KÖRPERWELTEN."

Öffnungszeiten
Das PLASTINARIUM wird ab dem 17. November vorerst  freitags, samstags und sonntags zwischen 10.00 und 18.00 Uhr (letzter Einlass) geöffnet sein.
Gruppen haben die Möglichkeit, außerhalb der regulären Öffnungszeiten einen Besuchstermin zu vereinbaren.
Zusätzliche Öffnungszeiten werden zu gegebener Zeit auf der Homepage www.plastinarium.de bekannt gegeben. 

Adresse:
PLASTINARIUM - Gubener Plastinate GmbH - Uferstraße - 03172 Guben
Tel. 03561-5474860 - info(at)plastinarium.de

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Plastinator Gunther von Hagens zur Entscheidung der Gubener Stadtverordneten, das Rathaus an ihn zu verkaufen: Trauern ohne Sorge dank Gubener Plastinate

Ich bedanke mich für das mir von der Mehrheit der Gubener Bürger und Politiker ausgesprochene Vertrauen zur Ansiedlung einer Plastinationswerkstatt in Guben. Ich bedanke mich auch bei meinen Gegnern für ihr Engagement im vorausgegangenen demokratischen Meinungsbildungsprozess, der letztendlich der Demokratisierung der Anatomie diente. Durch perfekte "Gubener Plastinate" werde ich mich bemühen,  auch ihr Vertrauen zu erlangen und so dazu beizutragen, die entstandenen Meinungsgräben einzuebnen.

Um ausreichend Plastinate fertigen zu können, wird ab sofort bundesweit ein kostenloser Abholdienst für Leichen eingerichtet. Dieser Service wird großen Zuspruch finden, denn er ermöglicht Trauer ohne Sorge um Begräbniskosten. Die kostenfreie Abholung erfolgt durch örtliche Bestattungsunternehmen oder das Institut für Plastination in Heidelberg. Voraussetzung dafür ist lediglich die Zustimmung zur Körperspende durch die Verstorbenen oder ihre Angehörigen.

Gunther von Hagens
27. April 2006

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Gubener Bevölkerung mit überwältigender Mehrheit für die Ansiedlung eines Plastinationsinstituts

Heidelberg, 20. April 2006 - Über die Ansiedlung eines Plastinationsinstituts in Guben wurde mehrfach berichtet. Bis heute ist dabei besonders strittig, ob nun wirklich die Mehrheit der Gubener hinter dem Projekt stehen, so wie es bei einer spontanen Abstimmung Mitte Januar in Guben den Anschein hatte. Diese Frage ist angesichts der geplanten Entscheidung der Gubener Stadtverordnetenversammlung am 26. April über den Verkauf des Gubener Rathauses von besonderer Aktualität.
Um zu einer Versachlichung der Debatte beizutragen, hat das Institut für Plastination in Heidelberg bei tnsEmnid eine Meinungsumfrage in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Die Befragung erfolgte in drei Städten: in Heidelberg, dem bisher alleinigen Sitz des Institut für Plastination in Deutschland, in Berlin als der Stadt mit den bislang höchsten Besucherzahlen der KÖRPERWELTEN-Ausstellung und in Guben, dem Ort der geplanten Neuansiedlung. Mit jeweils 1000 befragten Personen ist das Ergebnis statistisch signifikant. Die Umfrage ist eine Sensation! Die interessantesten Ergebnisse lesen sich wie folgt:

- Mehr als zwei Drittel der befragten Bürger Berlins, Heidelbergs und Gubens - in Guben sogar fast 80% - würden der Ansiedlung eines Plastinations-Instituts in ihrer Stadt zustimmen, wenn dieses anatomische Präparate für Ausbildungszwecke herstellen würde. Während in Guben fast genau so viele Befragte (71%) auch der Herstellung von Präparaten für öffentliche Ausstellungen zustimmen, ist dies in Berlin und Heidelberg nur fast jeder Zweite.

- Über zwei Drittel der Befragten, die der Ansiedlung eines Plastinations-Instituts in der eigenen Stadt zustimmen würden, wären mit der Ansiedlung auch dann einverstanden, wenn dort ganze menschliche Körper präpariert und plastiniert  würden. Die Zustimmung ist unter den Gubener Bürgern mit 80% am höchsten und in Berlin mit 68% am niedrigsten."

Darüber hinaus sind 13% der Gubener bereit sich plastinieren zu lassen, wohingegen es in Heidelberg und Berlin nur jeweils 6% sind.

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Gunther von Hagens
6. Dezember 2005
Dalian, China
 
An die
Stadtverordneten der
Stadtverwaltung Guben
Sitzung am 7. 12. 2005
 
Uferstraße 22-26  
03172 Guben
 
Offener Brief an die Stadtverordneten von Guben zur Entwicklung, den Plänen und den Diskussionen um ein Plastinationsinstitut  
 
Sehr geehrte Stadtverordnete, sehr geehrter Stadtverordneter,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Hübner,
 
anlässlich der öffentlichen Sitzung der Gubener Stadtverordneten am 7. Dezember 2005 erlaube ich mir die folgenden Ausführungen zu meinen bisherigen Aktivitäten und Plänen hinsichtlich eines Plastinationsinstituts in Guben:
 
Bisherige Entwicklung

Seit Anfang des Jahres nutze ich ein eigenes Grundstück in Sieniawa Zarska, Polen, als Lager für Ausstellungequipment von KÖRPERWELTEN-Ausstellungen. Pläne, diesen Standort zu einem Forschungsstandort mit der Fertigung plastinierter Körperscheiben auszubauen habe ich aufgegeben, nachdem ich mein Vertrauen in das gegenwärtige funktionierende polnische Rechtssystem verloren habe. Um nur drei Beispiele zu nennen:

(1) Mein Vater wurde öffentlich beschuldigt, polnische Bürger denunziert und sie damit ins KZ gebracht zu haben, ohne dass auch nur ein direkter Zeuge benannt oder ein sonstiger Beweis dafür vorgelegt werden konnte. Während darüber in 60 Medien berichtet wurde, informierten schließlich nur 6 Zeitun- gen darüber, dass die gründlichen Nachforschungen in Polen nicht nur keinerlei belastendes Material zu Tage förderten, sondern das Amt für Nationales Gedenken sogar mangels jeglichen Beweises die Eröffnung eines Untersuchungsverfahrens ablehnte.

(2) Mein Vater hat in Unkenntnis der polnischen Rechtslage auf seinem Grundstück in Sieniawa Zarska 6 morsche Bäume gefällt. Dafür soll er nunmehr 70.000 (siebzigtausend) Euro Strafe zahlen, obwohl in vergleichbaren Fällen bei polnischen Bürgern auf jegliche Strafzahlung verzichtet wurde.

(3) Politiker erklärten öffentlich, dass das Herstellen von Plastinaten in Polen verboten sei, obwohl kein entsprechendes polnisches Gesetz dies verbieten würde. Dies erinnert mich sehr an den mir aus meiner DDR-Zeit erinnerlichen Grundsatz, dass mir verboten ist, was nicht erlaubt ist und das nicht der in westlichen Demokratien etablierte Rechtsgrundsatz gilt, nachdem erlaubt ist, was nicht verboten wurde. Zusätzlich kam unerwartet und erschwerend hinzu, dass die Gemeindeverwaltung in Sieniawa Zarska Korrespondenz weder in Englisch noch in Deutsch akzeptiert. Eine Regelung, der ich noch nicht einmal in China unterliege.

Herr Wolfgang Teske, engagierter Lokalpatriot Ihrer Stadt las darüber in der Zeitung und lud mich im Monat Oktober privatissime nach Guben ein um Ihre Stadt als alternativen Standort zu prüfen. Nachdem ich mich mit der Geschichte Ihrer Stadt vertraut und mir in einem persönlichen Besuch selbst einen Eindruck vom Stadtbild und ihren freundlichen Bürgern machen konnte, fand ich zunehmend Gefallen an Guben. Schließlich kam auf meine Bitte ein informelles Gespräch mit Herrn Bürgermeister Hübner zustande, für das ich um Vertraulichkeit bat. Doch dann ging in einem Akt kommunikativer Begeisterung unerwartet Herr Teske an die Öffentlichkeit und veröffentlichte meine Absicht, nach Guben zu kommen zu wollen. Eine solche Absichtserklärung hatte ich zuvor Bürgermeister Hübner zugesandt und Herrn Teske nachrichtlich mit einer Kopie versorgt. Ich hätte es vorgezogen, mich erst dann in Guben vorzustellen, wenn ich mich eindeutig für Guben entschieden hätte. Stattdessen kam eine Informationslawine in Gang, der zwar die demokratische Legitimation nicht abgesprochen werden kann, die meine Entscheidung für Guben jedoch nicht vereinfacht hat.  

Zu meinen Absichten in Guben

Ich bemühe mich um den Erwerb der "Gubener Wolle" und des jetzigen Rathauses mit dem Ziel, diese Immobilien zu renovieren und unter Beachtung der Auflagen des Denkmalschutzes zu modernisieren. Es ist definitiv nicht geplant, die Präparation menschlicher Körper für die Plastination von Dalian, China, nach Guben zu verlegen. Mein Plastinationsbetrieb in China funktioniert mit zur Zeit 250 Beschäftigten zu meiner vollsten Zufriedenheit. Das mir dort gebotene asiatische Präparationsgeschick und die präparatorische Geduld sind unschätzbar und in Deutschland in dieser Qualität nicht zu finden.  In den genannten Gubener Immobilien plane ich die Etablierung eines Instituts für Plastination mit folgenden Aufgaben:

(1) Forschung und Weiterentwicklung der Plastinationstechnik.

(2) Forschung und Weiterentwicklung von Spezialkunststoffen für die Plastination.

(3) Fertigung dünner plastinierter Körperscheiben von Mensch und Tier.

(4) Fertigung von Großtierplastinaten wie Elefant und Giraffe.

(5) Etablierung einer Körperspendezentrale für die Plastination.

(6) Lagerung von Ausstellungshilfsmitteln und Verkaufsprodukten für die KÖRPERWELTEN-Ausstellungen.

Die in der Presse immer wieder zu lesenden 200 Arbeitsplätze will ich nicht verneinen, ich möchte sie jedoch auch nicht versprechen. Die Entwicklung wird zeigen, in welchem Zeitraum und Umfang dies zu realisieren ist. Doch kann ich sagen, dass sich die Etablierung eines Plastinationsinstituts und die damit verbundene Renovierung der zwei angesprochenen Immobilien nicht lohnen würde, wenn ich dort nicht eines Tages um die zweihundert oder mehr Arbeitsplätze zu realisieren in der Lage wäre. Da das komplexe Verfahren der Scheibenplastination in viele Einzelschritte zerlegbar ist, entspricht die mir bekannte Ausbildungsstruktur der Gubener Bevölkerung meinen Bedürfnissen. Da für viele Arbeiten Verlässlichkeit und Genauigkeit wichtiger sind als Fachkenntnis, benötige ich auch Mitarbeiter ohne Fachausbildung. Gern bin ich bereit, der interessierten Gubener Bevölkerung mein Vorhaben in einem ausführlichen, bebilderten Vortrag zu erläutern.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Gunther von Hagens
(Dr. med. der Universität Heidelberg, Gastprofessor der New York University, College of Dentistry (NYUCD), Erfinder der Plastination und der Ausstellung Körperwelten)

Anlagen:
Anhang 1: Zur Kritik an der Fertigung von Plastinaten in Guben
Anhang 2: Fragen von Herrn Martin Klesmann an Gunther von Hagens  (geplante Veröffentlichung in der Berliner Zeitung am 7.12.2005)

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Absage an anatomische Sehzensur!
Verwaltungsgerichtshof bestätigt Ausstellung KÖRPERWELTEN: keine Genehmigung erforderlich.

Heidelberg, 29. November 2005 - Mit seinem heutigen Urteil hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg die erstinstanzliche Entscheidung des VG Stuttgart aufgehoben. Entgegen der Auffassung der Stadt Stuttgart ist für die Ausstellung "KÖRPERWELTEN. Die Faszination des Echten" keine Erlaubnis nach dem Bestattungsrecht erforderllich. Die Stadt hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

Während der Verhandlung verschaffte sich das Gericht einen eigenen Eindruck von den Plastinaten: Gunther von Hagens war zur Verhandlung eigens aus New York angereist, um anhand eines Ganzkörperplastinates die wissenschaftliche Bedeutung der Plastination zu demonstrieren.

Gunther von Hagens zu der Gerichtsentscheidung:
"Das ist ein hervorragender Erfolg für die Demokratisierung der Anatomie und für die 6.500 Körperspender, ohne die meine Arbeit nicht möglich wäre. Das Urteil setzt die in der Renaissance wurzelnde Tradition fort, nach der die Präsentation musealer Erlebnisanatomie keiner vorsorglichen staatlichen Reglementierung bedarf. Diese deutliche Absage an anatomische Sehzensur ermöglicht nunmehr die uneingeschränkte Präsentation wissenschaftlicher Plastinate in ästhetisch-didaktischer Pose wie dem in Stuttgart zuvor verbotenem Plastinat des betenden Skeletts.
Dieser Meileinstein deutscher anatomischer Rechtsprechung orientiert sich an der liberalen internationalen Praxis. Denn nur in Deutschland wurden die Körperwelten bisher zensiert, nicht jedoch in den zehn anderen Ländern Europas, Asiens und Amerikas, in denen sie auf Tour war. Das Urteil legt damit die Grundlage für eine Rückkehr der Ausstellung KÖRPERWELTEN nach Deutschland. Ich freue mich nunmehr, die Ausstellung den Bürgern Stuttgarts unzensiert zeigen zu dürfen. Da das Institut für Plastination zwischenzeitlich in den USA längerfristige Verpflichtungen eingegangen ist, bitte ich um Verständnis dafür, dass der genaue Zeitpunkt einer Rückkehr gegenwärtig noch nicht absehbar ist."

Das Urteil des VGH Mannheim als pdf-File. 

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